Unsere Zeit in Valencia
Im Rahmen des schulischen Erasmus-Programms hatten wir, Elias, Colin und Abdu die Möglichkeit, drei Wochen in Valencia, einer Küstenstadt im Osten Spaniens, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Diese Zeit war für uns in vielerlei Hinsicht bereichernd: Wir sammelten nicht nur berufliche Erfahrungen, sondern lernten auch eine neue Kultur, Sprache und Lebensweise kennen.
Untergebracht waren wir bei einer spanischen Gastfamilie. Die Wohnung war zwar klein, dafür aber sehr ordentlich und sauber. Die Kommunikation mit unseren Gasteltern war anfangs eine Herausforderung, da weder wir fließend Spanisch sprachen noch die Gasteltern Englisch konnten. Doch durch gegenseitige Bemühungen und eine offene Haltung funktionierte das Zusammenleben mit der Zeit immer besser, was uns wichtige Erfahrungen ermöglichte.
Die Stadt Valencia hat uns vom ersten Moment an begeistert. Die Altstadt mit ihren engen Gassen, alten Gebäuden und belebten Plätzen strahlt viel Charme aus. Besonders eindrucksvoll war für uns der Turia-Park, ein ehemaliger Flusslauf, der heute ein riesiger Grüngürtel mitten durch die Stadt ist. Er bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten wie Fußball- und Baseballfelder, Spielplätze und ruhige Zonen zum Entspannen. Gleichzeitig lernten wir auch die modernen Seiten Valencias kennen, etwa das bekannte Kunst- und Wissenschaftszentrum „Ciudad de las Artes y las Ciencias“.
Valencia ist eine sehr junge und internationale Stadt, in der sich viele Studierende aufhalten. Dies spürten wir besonders am aktiven Nachtleben, das wir an den Wochenenden kennenlernen durften. Über die Plattform erasmusvalencia.com erfuhren wir von zahlreichen Veranstaltungen und konnten uns häufig für nur einen Euro Eintritt Karten für verschiedene Clubs sichern. Die Abende dort boten uns einen interessanten Einblick in das soziale Leben vor Ort.
Das Praktikum
Praktikum absolvierten wir beim Fahrradverleih „The Easy Way“, einem zentral gelegenen, mittelgroßen Unternehmen, das sich auf den Verleih von Fahrrädern spezialisiert hat. Besonders in einer fahrradfreundlichen Stadt wie Valencia, die über ein hervorragend ausgebautes Radwegenetz verfügt, ist die Nachfrage nach Mieträdern sehr hoch – vor allem in der warmen Jahreszeit. Neben Citybikes bot „The Easy Way“ auch E-Bikes, Kinderräder und Zubehör wie Helme, Körbe und Kindersitze an. Zusätzlich wurde ein Paketservice betrieben, bei dem Kunden Sendungen abholen oder verschicken konnten. Die Kombination aus
Verleihgeschäft und Logistik machte unsere Arbeit sehr abwechslungsreich.
Das Team bestand aus mehreren Festangestellten und Praktikanten aus verschiedenen Ländern. Die Atmosphäre war kollegial, offen und international. Die tägliche Kommunikation erfolgte hauptsächlich auf Englisch, teilweise auch auf Spanisch. Für uns war dies eine gute Gelegenheit, unsere Sprachkenntnisse zu verbessern und beide Sprachen aktiv im Berufsalltag anzuwenden.
Unsere Arbeitszeit war in zwei Schichten unterteilt: entweder morgens von 9:30 bis 14:00 Uhr und nachmittags von 16:00 bis 20:00 Uhr. Zwischen den Schichten hatten wir eine zweistündige Siesta, in der der Laden geschlossen war.
Ein typischer Arbeitstag begann mit dem Öffnen des Geschäfts und der Vorbereitung: Fahrräder wurden nach draußen geschoben, Reifen überprüft, Zubehör bereitgestellt und der Empfangsbereich aufgeräumt. Danach kamen meist schon die ersten Kunden, vor allem Touristen, die spontan ein Fahrrad ausleihen wollten. Am Nachmittag folgten dann Rückgaben und weitere Ausleihen. Unsere Aufgaben waren vielfältig: Wir berieten Kunden bei der Auswahl geeigneter Fahrräder, erklärten Mietbedingungen und Stadtpläne, gaben Räder aus und nahmen sie wieder zurück. Zusätzlich führten wir einfache Wartungsarbeiten wie das Aufpumpen der Reifen oder das Einstellen von Sätteln durch.
Im Bereich des Paketservices unterstützten wir beim Scannen, Lagern und Ausgeben von Sendungen. Besonders bei großem Paketaufkommen war hier viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt gefragt. Weitere Aufgaben umfassten das Auffüllen von Werbematerialien, die Organisation des Lagerbereichs sowie das Erklären von Fahrradrouten durch Valencia, z. B. durch den Turia-Park oder zum Stadtstrand.
Ein besonderes Highlight war eine große Verteiltour durch die Stadt, bei der wir gemeinsam mit einem Mitarbeiter Werbematerialien an Hotels und Hostels lieferten. Dabei mussten wir uns gut orientieren, freundlich auftreten und selbstständig agieren, eine Aufgabe, die uns viel Freude machte und unsere Selbstständigkeit förderte.
Ein weiterer prägender Moment war der Besuch einer großen Touristengruppe, die spontan über 25 Fahrräder ausleihen wollte. Es war ein hektischer, aber spannender Einsatz, bei dem wir als Team schnell handeln, die passenden Räder bereitstellen und Zubehör verteilen mussten.
Durch diese vielen praktischen Erfahrungen wurde uns bewusst, wie wichtig Teamarbeit, Organisation und Kundenorientierung im Berufsleben sind. Außerdem konnten wir durch die tägliche Kommunikation in Englisch und Spanisch unsere Sprachkompetenz deutlich verbessern.
Freizeit und Ausflüge
Neben der Arbeit unter der Woche hatten wir an den Wochenenden und in unserer Freizeit viele Gelegenheiten, Valencia zu erkunden und gemeinsam etwas zu unternehmen. Unsere Freizeitgestaltung war sehr vielfältig und trug wesentlich dazu bei, dass unser Aufenthalt in Spanien nicht nur lehrreich, sondern auch besonders schön und unvergesslich war.
Ein besonderes Highlight war unser Tagesausflug nach Montanejos, einem kleinen Ort in den Bergen, der für seine heißen Quellen und Flusslandschaften bekannt ist. Wir unternahmen eine kleine Wanderung durch die Natur und kühlten uns anschließend im klaren Fluss ab.
Ein weiterer Ausflug führte uns zum idyllischen Albufera-See, der nur wenige Kilometer südlich von Valencia liegt. Dort probierten wir eine traditionelle spanische Paella und genossen einen atemberaubenden Sonnenuntergang.
Am Wochenende stand auch das Nachtleben Valencias im Fokus. Wir waren in den bekannten Clubs Umbracle und Akuarela feiern, der Eintritt kostete nur einen Euro, was für viele von uns überraschend günstig war. Die Stimmung war sehr gut, die Musik auch und die Clubs modern und gut besucht.
Ein kleines, aber liebgewonnenes Ritual war außerdem der nächtliche Besuch bei P.G. Pizzeria, einer günstigen Pizzeria in der Nähe unserer Unterkunft. Dort gab es leckere Pizzen für nur 4 Euro, die perfekt waren, wenn wir nach einem langen Abend noch Hunger hatten.
Auch unter der Woche verbrachten wir unsere Freizeit aktiv. Wir waren regelmäßig am Stadtstrand Malvarrosa, wo wir badeten, Volleyball spielten oder einfach entspannten. Abends zogen wir oft gemeinsam durch die Stadt, spielten Basketball in den Parks oder probierten verschiedene lokale Snacks aus.
Während unserer Zeit in Valencia haben wir auch viele neue Leute kennengelernt, die aus ganz Europa kamen, unter anderem aus Großbritannien, der Schweiz, Deutschland und natürlich auch viele Spanierinnen und Spanier. Der Austausch mit anderen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern war spannend und hat unseren Aufenthalt zusätzlich bereichert.
Rückblickend war unsere Freizeit ein ebenso wichtiger Teil des Erasmus-Aufenthalts wie das Praktikum selbst. Sie ermöglichte uns, die spanische Kultur hautnah zu erleben, Freundschaften zu festigen und viele unvergessliche Eindrücke zu sammeln.
Text und Fotos: Colin, Elias und Abdu aus der Stufe 12, Juli 2025






