Ich hatte kurzfristig die Möglichkeit bekommen an dem Erasmus+ Programm teilzunehmen (dies bereits in der 11. Klasse) und ich bin froh zu sagen, dass es die beste Zeit meines Lebens bisher war. Der Ablauf meiner Erfahrung lief wie gefolgt: Anfang August habe ich innerhalb von 4 Tagen insgesamt über 130 E-Mails verfasst an verschiedenste Läden in Madrid. Ich habe den ganzen Tage nur E-Mails geschrieben und darüber nachgedacht, wie ich diese verbessern kann, sowie welche Läden überhaupt noch übrig sind und so kam meine erste (und einzige) Zusage: Artestilo, ein Porzellanladen mit vielen teuren Figuren, Schmuck, Messern, Schwertern, Fächern – authentische Kunst, dem Prado Museum gegenüber! So konnte ich per E-Mail meinen Chef Carlos lernen und dann ging es an die Organisation. Airbnb und Flüge waren innerhalb eines Tages gebucht und so war es offiziell, ich würde mit 16 Jahren alleine nach Madrid gehen, in eine Stadt in der ich noch nie gewesen war, wo ich niemanden kannte. Angekommen in Madrid (nach meinem ersten Flug im Leben) holte Carlos mich ab und brachte mich zu meiner Wohnung (eigenes Zimmer; Küche, Bad usw. geteilt), die 20 Minuten vom Zentrum entfernt war. Am zweiten Tag hatte ich bereits einen Termin im Büro der Metro, wo mir eine offizielle Nahverkehrs-Karte erstellt wurde (mit Name und Foto sogar), dies zu 100% auf Spanisch, denn ich musste kein einziges Mal auf Englisch zurückgreifen, um mit jemanden während meines Aufenthaltes zu kommunizieren. Ich machte mich schließlich auf dem Weg zur Arbeit, wo ich im Laufe von 2 Wochen folgendes gelernt habe:
- Verpacken von Paketen (mit viel, viel Vorsicht und Luftpolsterfolie)
- Kommunikation mit Kunden aus der ganzen Welt
- Kassenarbeit (Verkauf, Preisänderung, Bestandsveränderung, Etikettdrucken, …)
- Logistikarbeit
- Staubwischen der bereits genannten teuren Figuren
- Paketannahme, Paketabgabe
- Kommunikation und Teamarbeit mit meinen tollen Mitarbeitern
- Lagerarbeit
- Interkulturelle Kompetenz
Und noch so viel mehr, im Grunde reicht das aber schon aus, um euch eine Idee zu geben. Gearbeitet habe ich von 10:30-14:00 (öfters auch länger) und obwohl es manchmal ein wenig langweilig war, habe ich so viel gelernt und auch so viele Leute kennengelernt. Carlos hat mir deutlich gemacht, dass der Laden nicht nur ein Laden ist, sondern seine Leidenschaft, seine Familie und das habe ich auch gemerkt. Meine Kollegen Elena, Natalia, Natasha, Sacha, Salvador haben mir viel darüber erzählt, wie es ist in Spanien zu leben, zu arbeiten, Kinder großzuziehen, in der aktuellen Politik dort zu leben und dies gab mir wertvolle Einsicht in die Lage der Welt außerhalb von Deutschland (wie soll ich denn auch sowas anderweitig erfahren, wenn nicht von den Einwohnern selbst). Ich habe so enormen Respekt vor meinen Mitarbeiter und bin so dankbar dafür, dass ich für diese 2 Wochen mit ihnen arbeiten durfte. Abgesehen von der Arbeit hatte ich einen Großteil des Tages frei! Diese Zeit habe ich ausgenutzt um die Stadt zu erkunden, Freunde zu finden, mit Freunden was zu unternehmen, mich zu integrieren, die Metro irgendwie zu navigieren, verschiedene Viertel zu sehen, einkaufen zu gehen, mich im Gym anzumelden und dort hinzugehen, historische Monumente zu besuchen, das Museum Prado zu besuchen (mit dem besten Tourguide jemals, Carlos, der mir die wichtigsten und bewegendsten Sachen innerhalb von 2 Stunden gezeigt hat), dies und das und jenes und alles, denn wirklich alles ist möglich in der größten Stadt Spaniens. Ich habe eigenständig gelebt, mich um mich selbst gekümmert, wie ein echter, integrierter Einwohner Madrids und das war auch mein Ziel. Es gibt wirklich nicht genug Worte um meine Erfahrung zu beschreiben, aber um es kurz zu fassen, wie bereits schon gesagt, war es die beste Zeit meines Lebens bisher und ich will jetzt schon zurück! Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich an diesem Programm teilnehmen durfte und freue mich schon auf nächstes Jahr. Mehr von meiner Reise kann man auf meinem Instagram @ooeeraff sehen, wo ich noch 40 Fotos hochgeladen habe. Gerne auch bei Fragen dort melden, ich rede (wie man sieht) sehr gerne über meine Erfahrung! 😉
Text und Fotos: Raffael Felk, WG 11/1, August 2025






